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Foto: © Tim Heinrichs-Noll / PIXELIO
Anfrage an den Sender Jerewan: „Stimmt es, dass Andorra jetzt wirtschaftlich aufholt, weil deren Flotte von der weltweiten Krise weniger betroffen ist?“
Antwort aus Jerewan: „Im Prinzip ja. Obwohl – Andorra hat ja eigentlich keine Flotte. Aber davon profitieren die drei Täler in den Ostpyrenäen nachweislich. Das FĂĽrstentum ist von der Krise deutlich weniger betroffen, als seine Nachbarn Spanien und Frankreich.“
Solcherart Anfragen an den Sender Jerewan waren in der verblichenen DDR weit verbreitet. Immer wenn offizielle Verlautbarungen besonders unglaubwürdig waren, erfand die „Straße“ eine rationale Antwort, die nur scheinbar eine Brücke zwischen wahr und unwahr herstellte. Nach der Wende funkte Jerewan nicht mehr.
Nun aber funkt es wieder. Aber wir brauchen die 2000 Kilometer von uns entfernte Stadt in Armenien nicht mehr. Aus allen Ecken der deutschen Medien wird die gleiche Nachricht gefunkt.
Zitat FAZ–online: „10. Juni 2009 Ostdeutschland erweist sich als krisenfester als der Westen und wird nach Einschätzung der Bundesregierung in zehn Jahren wirtschaftlich den Anschluss schaffen. Wenn 2019 der Solidarpakt II ausläuft, dürften die neuen Länder fast die Leistungsfähigkeit strukturschwacher Flächenländer wie Niedersachsen oder Rheinland-Pfalz erreichen. Das geht aus dem Jahresbericht zur Deutschen Einheit hervor, den der Ost-Beauftragte Wolfgang Tiefensee (SPD) am Mittwoch dem Bundeskabinett vorstellte.“
Keinerlei Fakten sind offensichtlich in der Lage, die wechselnden Verantwortlichen für den „Aufbau Ost“ davon abzubringen, in ihren Berichten über den Vollzug der deutschen Einheit, uns auf dem richtigen Weg zu sehen.
Im Osten fehlen uns nach der Arbeit der Treuhand Tausende Unternehmen, deren Wirtschaftsleistung und deren Wachstum allein einen allmählichen Aufholprozess einleiten könnten. Das ist selbst in regierungsamtlichen Analysen nachzulesen. Allein, es sagt niemand, dass die Produktion aus diesen fehlenden Tausenden Unternehmen auch niemand braucht. Daran etwas zu ändern, erforderte nochmals eine gigantische Anstrengung und wahrscheinlich ein Teilen zwischen dem reichen Westen und dem armen Osten. Darüber zu reden, gilt weitgehend als unschicklich.
Ganz anders reagiert aber die vom westlich sozialisierten Denken dominierte Medienwelt, wenn es um die Beurteilung eines Zusammenhangs geht, der die angestammten Westlande betrifft. Und Berlin gehört dazu. So berichtet die Berliner Zeitung am 11.06.2009 von einem Forschungsbericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) über die wirtschaftlichen Aussichten für Berlin. Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass es für Berlin unmöglich ist, seine wirtschaftliche Schwäche auszugleichen, wenn es nicht gelingt, wenigstens einen erheblichen Teil der seit 1991 verlorenen 150 000 Industriearbeitsplätze wieder entstehen zu lassen. Wowereit wird aufgefordert, eine entschiedene Industriepolitik zur Chefsache zu machen.
So ginge es, Berlin.
Wer macht so etwas eigentlich fĂĽr den ganzen Osten? Warum verharmlosen die Berichte zur deutschen Einheit immer wieder die schier ausweglose Situation? Warum muss schon wieder 1 + 1 = 5 sein.
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