FLOP

TOP oder FLOP? BUERGERFORUM-OST.destellt Menschen und Institutionen vor, die die Entwicklung in Ostdeutschland geprägt haben.

Jul 10 02

 

Kaum jemand glaubte, dass Joachim Gauck Bundespräsident wird, obwohl die Leitmedien behauptet hatten, das Volk wĂĽrde Gauck wählen. Besonders bei Ostdeutschen, ganz gleich ob Opfer, Täter oder beides, gibt es ein ungutes GefĂĽhl, was den Pfarrer und ersten Sonderbeauftragten der Stasiunterlagenbehörde betrifft. Weiterlesen »

Okt 09 02

Ch. Matschie

Auch im Jahre 20 nach der Wiederherstellung eines gesamtdeutschen Staates will der Osten nicht recht voran kommen. Wir holen in der Wirtschaftsleistung längst nicht mehr auf und immer noch machen jährlich um die  50 ooo Menschen mehr rüber als aus dem Westen zu uns kommen.

Gründe dafür sind vielfältig. Aber einer von den maßgeblichen ist sicherlich, dass der Osten keine eigene politische Vertretung hat. Jedenfalls nicht wirklich. An den entscheidenen Schaltstellen der Verwaltungen sitzen überall Menschen aus den alten Bundesländern. Die haben für ihre neuen Jobs gern ein, zwei Karrieresprünge mitgenommen, ihre Loyalität aber in der alten Heimat gelassen.

Aber die politschen Spitzenämter werden oft von Ossis besetzt. Wer würde die sonst auch wählen? Deshalb kommt es eigentlich auf jeden Ostdeutschen an, der in ein Spitzenamt gelangt.Von ihnen kann die Initiative ausgehen, durch sie kann Druck und Einsicht erzeugt werden, dass der Osten endlich eine Chance bekommt.

Christoph Matschie. Der Vorsitzende der Thüringischen SPD, Thüringer, Theologe und Parlamentarier. Aus den Thüringer Thälern war seine Stimme bisher wenig zu hören. Nun hätte er am 01.10.2009 ein wenig Geschichte schreiben können. Er hätte die erste rot-rot-grüne Koalition Deutschlands ins Amt heben können. Der Linke-Chef Bodo Ramelow hat in erstaunlicher Selbstverleugnung sogar angeboten, auf den Posten des Ministerpräsidenten zugunsten einer neutralen Person, auf die sich alle drei Koalitionäre hätten einigen sollen, zu verzichten.

Nicht dass diese Option automatisch eine Erfolgsgeschichte geworden wäre, zumal in Bezug auf die Entwicklung im Osten. Aber – nach 18 Jahren CDU-Regierung in ThĂĽringen, in denen ThĂĽringen durch keinen besonderen Fortschritt aufgefallen wäre, hätte eine Rot-Rot-GrĂĽne-Regierung ein Aufbruchsingnal setzen können und durch geschickte Politik hätten die drei auch wirklich etwas Neues im Osten und fĂĽr den Osten zuwege bringen können.

Aber Matschie läßt die CDU weiter regieren. Obwohl er für eine andere Entscheidung in seinem Berliner Parteivorstand nicht einmal abgewatscht worden wäre. Mutloser kann man Politik nicht angehen. Der Verdacht liegt nahe, das selbst dann, wenn es die Parteiräson möglich machen würde, ostdeutsche Politiker im Entscheidungsfall lieber die eigene Sicherheit, das eigene Amt, das eigene Interesse wählen. 

Aber wahrscheinlich hätte Matschie sowieso nicht gewußt, was er mit den Linken und den Grünen hätte anfangen sollen. Ohne ein eigenes Konzept, ohne einen eigenen Wertekanon und ohne langfristige Ziele ist den ostdeutschen Spitzenpolitikern offensichtlich jede Koalition möglich, aber nur die wirklich chancenreich, die der eigenen Karriere voran zu helfen scheint.

Wer schĂĽtzt den Osten eigentlich vor seinen Politikern?

Herr Matschie  – das war ein Flop.

Jun 09 30

Walter Botschatzki war von 1990 bis 2009 Geschäftsführer bei Multicar in Walterhausen (Thüringen). Zu DDR-Zeiten war er dort seit 1987 Betriebsdirektor. Zuvor hat er 16 Jahre im Karosseriewerk Aschersleben (heute Sachsen-Anhalt) gearbeitet, unter anderem als technischer Leiter und Hauptkonstrukteur. Walter Botschatzki wurde 1944 geboren, ist verheiratet und hat einen Sohn.

Warum gehört Walter Botschatzki in die Kategorie “TOP”?

Nach einem bekannten Witz hatte die DDR vier Hauptfeinde: FrĂĽhling, Sommer, Herbst und Winter. Dass gegen Herbstlaub und Schneematsch auch heute noch der Multicar zum Einsatz kommt, ist Walter Botschatzki zu verdanken.

Berater der Treuhand glaubten nicht an eine Zukunft des Multicars: Ein solches Fahrzeug gäbe es im Westen nicht – es gäbe also dafür keinen Bedarf. Walter Botschatzki und Manfred Windus, bis dahin in leitender Funktion beim VEB Fahrzeugwerke Waltershausen, glaubten trotzdem an ihren Multicar. Schon in der Wendezeit besorgten sie sich westliche Managementliteratur und suchten nach neuen Technologien. 1991 übernahmen beide je 12,5 Prozent des Unternehmens von der Treuhand, der Rest ging an die Deutsche Beteiligungsgesellschaft, die ihren Anteil 1998 an die HAKO-Gruppe des früheren BDI-Chefs Tyll Necker abgab. Heute arbeiten rund 250 Mitarbeiter bei Multicar in Waltershausen. Ohne die Voraussicht und den partnerschaftlichen Stil von Walter Botschatzki wäre es zu diesem Erfolg nicht gekommen.

Darüber hinaus hat sich Walter Botschatzki für die gesamte Thüringer Wirtschaft engagiert – von 1994 bis 2007 als Vorsitzender des Verbandes der Thüringer Metall- und Elektroindustrie und von 1997 bis 2008 als Präsident des Verbandes der Thüringer Wirtschaft. Außerdem war er im Präsidium des BDA aktiv.

FĂĽr sein Engagement wurde Walter Botschatzki bereits 1998 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande und 2004 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse geehrt.