Konrads Kolumne

Jeden Monat erklärt Konrad Kaiser in seiner Kolumne uns seine Sicht auf die Welt, in der wir leben.

Jul 10 11


Video: Rainald Grebe “Brandenburg-Lied” (YouTube)

Sommer, Sonntag. Hitze in der Hauptstadt. Wir flĂĽchten mit dem Auto ins Umland, nach Brandenburg, in die Prignitz.

 

Eine Dampflok kommt uns entgegen. Hemdsärmelige Kerle schwitzen an den Gleisen und wechseln Schwellen aus. Von den Männern kommt kaum einer aus der Region. Es sind vor allem Westberliner, die schon früher mit dem Fotoapparat bewaffnet in die DDR gefahren sind, um Dampfloks zu fotografieren. Nach der Wende haben sie sich einen Jugendtraum erfüllt und 9 km Schmalspur-Romantik wieder aufgebaut. Mit ABM-Kräften. So etwas ging damals.

 

Statt in die Zukunft zu investieren, wurde ein Museum gebaut. Das Eintrittsgeld der wenigen Besucher reicht kaum, um den laufenden Unterhalt zu bestreiten. So endet der Traum von den blĂĽhenden Landschaften.

Jun 10 11

Nun ist es soweit: Der gesamte Osten ist nur noch zweitklassig. Jedenfalls im Fußball. Nach dem Abstieg von Hertha BSC kickt kein Club aus dem Osten der Republik mehr in der 1. Bundesliga.

Hansa Rostock, Energie Cottbus und nun die Hertha – alle gescheitert. Wird der Osten je wieder erstklassig?

Mai 10 27

Quelle: Eulenspiegel Heft 7/2007

Der Osten blutet aus: Letztes Jahr sind wieder ĂĽber 30.000 Ostdeutsche in den Westen abgehauen. Vor allem junge und gut Ausgebildete.
Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts sind im Jahr 2009 rund 120.000 Personen von Ostdeutschland nach Westdeutschland gezogen. Den umgekehrten Weg nahmen nur 88.000 Menschen. Unterm Strich sind also 32.000 Leute abgewandert.
Seit 1989 hat Ostdeutschland rund 1,8 Mio. Menschen an Westdeutschland verloren. Das entspricht mehr als 10 % der früheren DDR-Bevölkerung. In den letzten Jahren waren es durchschnittlich 50.000 Abwanderer pro Jahr. Wenn der Exodus in diesem Tempo anhält, leert sich aller zehn Jahre eine Stadt von der Größe Dresdens. Und im Jahr 2300 knipst der Letzte dann das Licht aus. Endgültig.

Mai 10 11

Foto: © np

Weg ist er. Der Palast der Republik. Da, wo einst „Erichs Lampenladen“ stand, soll das Stadtschloss der Preußenkönige wiedererstehen.

Die Berliner Bauverwaltung hat gründlich gearbeitet: Alles, was an die deutsche Teilung und die frühere DDR erinnerte, wurde aus dem Stadtbild getilgt. Touristen sind mittlerweile enttäuscht, wie wenig von der Mauer noch übrig ist.

Den Palast der Republik kann man zwar abreißen, aber Geschichte kann man dadurch nicht auslöschen. Der Wiederaufbau der Stadtschlösser in Berlin und Potsdam, der Frauenkirche in Dresden und der Paulinerkirche in Leipzig machen das 20. Jahrhundert nicht ungeschehen.

Apr 10 11

Massenware

Konrad Kaiser 1 Kommentar »

Im Bundespräsidialamt gibt es einen Mann, der fĂĽr die Verleihung von Orden zuständig ist. In seinem BĂĽro hängt ein Bild. Es heiĂźt “Massenware”.

Jedes Jahr werden rund 2.500 Bundesverdienstkreuze verliehen. Die meisten gehen an Westdeutsche:  Im Jahr 2008 kamen auf 100.000 Altbundesbürger drei Ordensverleihungen, auf 100.000 Ostdeutsche hingegen nur eine.

Bundespräsident Köhler würde gern mehr Bundesverdienstkreuze an Ostdeutsche verleihen. Doch es fehlen ihm die Kandidaten. Wo soll er sie auch hernehmen? Ostdeutsche in herausgehobenen Positionen, in denen sie sich für einen Orden qualifizieren könnten, gibt es kaum. Andere, die sich verdient gemacht haben, werden wegen Mängeln in ihrer DDR-Biographie ausgeschlossen. So wird das Bundesverdienstkreuz im Osten nicht zur Massenware.